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Medienpolitik

Lokaljournalismus als hochwertige Nachrichtenquelle: Quo Vadis, Thüringen?

Bei unseren MENT MasterClasses sprachen vier Expert:innen über die Arbeit als Journalist:in in Thüringen, neue Ausspielwege und Finanzierungsmodelle.

LS
Drei Männer und zwei Frauen schauen freundlich in die Kamera, hinter ihnen eine angebaute Folie

im Panel dabei (v.l.n.r.): Michael Tallai, Susann Seifert, Julia Reinard, Henryk Balkow (Zuschauer) und Sebastian Scholz

MENT, 2025

Journalist:innen berichten in der Regel ja über andere – bei unseren MENT MasterClasses haben wir einmal sie zu Wort kommen lassen. Sebastian Scholz (DJV Thüringen), Julia Reinard (freie Journalistin), Michael Tallai (FUNKE Medien Thüringen) und Susann Seifert (GÜNTHER) sprachen über die Arbeit als Journalist:in in Thüringen, neue Ausspielwege und alternative Finanzierungsmodelle.

Neue Medien Chance oder Risiko?

Beim Stichwort “Lokaljournalismus” haben viele noch die klassische Tageszeitung vor Augen. Doch das könnte sich demnächst ändern. So verwies Michael Tallai auf den stetig steigenden Altersdurchschnitt der Zeitungs-Abonnent:innen. Aktuell läge dieser bei der Thüringer Allgemeine bei um die 70 Jahre. Dazu kämen hohe Kosten für Papier, Druck und Auslieferung. Darum sind für ihn und FUNKE Medien Thüringen digitale Angebote die Zukunft. Das Unternehmen plant, nach und nach auf E-Paper umzustellen und die Berichterstattung auch für Social Media oder Podcast aufzubereiten. Julia Reinard hingegen sieht vor allem Markentreue als wichtiges Pfund der Lokalzeitungen – wohingegen auf Social Media alles sofort zum Allgemeingut werde. Als freie Journalistin wünsche sie sich vor allem eine faire Bezahlung und verlässliche Absprachen.

Bürgerjournalismus: Das sollte man bei der Finanzierung beachten

Im Gegensatz zu den anderen ist Susann Seifert selbst keine Journalistin – aber Gründerin des Bürgermagazins “GÜNTHER” für den Raum Altenburg. Sie brachte in das Gespräch bei unserer Master Class Impulse aus dem community-zentrierten und konstruktivem Lokaljournalismus mit. So sei ein Schlüssel für die Umsetzung diversifizierte Geschäftsmodelle, um sich nicht von Finanzgeber:innen abhängig zu machen. Außerdem verzichteten sie und ihr Team in ihrem Magazin komplett auf Anzeigen, um nicht ungewollt Werbung für Unternehmen mit politisch konträren Ansichten zu machen.

Guter Journalismus hat seinen Preis

Für Sebastian Scholz waren vor allem zwei Dinge wichtig. “Journalismus braucht Köpfe, vor allem Lokaljournalismus – also du musst vor Ort sein, um zu wissen, was passiert.” Zudem müsse es in der Gesellschaft wieder ein stärkeres Bewusstsein geschaffen werden, “dass Journalismus und damit Demokratiesicherung uns eben auch etwas kosten müssen darf”. Bei communitybetriebenen Projekten funktioniere das bereits gut – nun seien auch die etablierten Medien am Zuge, dies wieder stärker deutlich zu machen. “Wir geben viel Geld aus für nachhaltig produzierte Kleidung, für nachhaltig produzierte Lebensmittel – alles richtig. Wir müssen aber auch für eine nachhaltige Demokratie Geld ausgeben.”

Filmproduktion, Games oder Medienbildung: In unserem Newsroom findest du auch die Rückblicke auf die anderen Panels der MENT MasterClasses, welche im Rahmen des Medien BarCamp Erfurt im Oktober 2025 stattfanden. Mehr zu unserer medienpolitischen Position kannst du außerdem hier nachlesen.

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